Um was geht es

JES - Junkies, Ehemalige und Substituierte -

ist ein bundesweites Netzwerk von Gruppen, Vereinen, Initiativen und Einzelpersonen die sich im JES Bundesverband für die Interessen und Bedürfnisse Drogen gebrauchender Menschen engagieren.
Organisiert nach den Prinzipien der Freiwilligkeit und Solidarität, können sich bei JES alle Menschen engagieren die Drogen konsumieren, konsumiert haben oder Substituiert werden.

J
Steht für „Junkie“ und damit als Symbol für eine auch durch die Prohibition erzeugte Lebenssituation, die geprägt ist durch Szeneleben, Illegalität, somit häufig durch Kriminalität, Armut, Obdachlosigkeit, Verlustängste, Prostitution, Gesundheitsgefährdung, aber oft auch durch Genuss, Zusammengehörigkeit und Abenteuer.

E
Steht für „Ehemalige/r“. Dies meint sowohl ein abstinentes Leben als auch die erfolgreiche Integration von Drogen in das Leben

S
Steht für „Substituierte/r“. Dieses Leben beinhaltet sowohl Möglichkeiten zur Reintegration und Rehabilitation, gesundheitliche Stabilisierung, Befreiung von Drogenproblemen, aber auch fremdbestimmte Kontrolle, Bevormundung und Perspektivlosigkeit hinsichtlich selbstbestimmter
Integration in alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens.

Unter anderem

... ist JES ist abgeleitet vom englischen Wort "YES" . Unser erster Slogan JUST SAY JES  war unsere Antwort auf den Slogan "Just say NO", den Nancy Reagan (die Frau des damaligen Präsidenten der USA) im Krieg gegen Drogen geprägt hatte.

Unser Name soll deutlich machen, dass der Konsum von Drogen nicht grundsätzlich negativ ist, dass das Leben in den Drogenszenen nicht nur schwierige, zerstörerische Seiten hat und dass eine Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen nicht immer zu einer Behinderung werden muss. JES wendet sich deshalb auch gegen ein Schwarz-Weiß-Denken, das nur "Alles oder Nichts", "Abstinenz oder Elend" kennt.

Wir hier in Berlin sind in dem Netzwerk nun - selbsterklärend:

"Für ein menschenwürdiges Leben mit Drogen"

ist unsere Leitidee: Wir wollen gesellschaftliche Bedingungen schaffen, unter denen Menschen auch mit Drogen menschenwürdig leben können: ohne die Bedrohung durch Strafverfolgung, ohne Ausgrenzung und permanente Benachteiligung.

"Für ein menschenwürdiges Leben mit Drogen"

ist als "kleinster gemeinsamer Nenner" für alle Gruppen im JES-Netzwerk verbindlich und Grundlage unserer gemeinsamen Arbeit.

"Für ein menschenwürdiges Leben mit Drogen"

ist nicht als Aufforderung zum Drogenkonsum misszuverstehen. Wir wissen genau, dass ein Leben mit Drogen unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen oft mit Illegalität, Diskriminierung und gesundheitlicher Gefährdung verbunden ist. Außerdem respektieren wir das Recht jedes/jeder Einzelnen, sich für oder gegen den Konsum von Drogen zu entscheiden. Wir sind deshalb weit davon entfernt, Drogenkonsum zu idealisieren und zu propagieren.

"Für ein menschenwürdiges Leben mit Drogen"

heißt allerdings für uns, Drogenkonsument/innen zu unterstützen, indem wir auf entsprechende Rahmenbedingungen hinwirken, indem wir Wissen vermitteln und dazu ermutigen, Fähigkeiten und Kompetenzen zu entwickeln, um fremd- und selbstzerstörerischen Drogengebrauch zu vermeiden (Safer Use). Unsere Arbeit ist in diesem Sinne immer auch Arbeit an der Entwicklung, Stabilisierung und Weitergabe einer Drogenkultur, die sich an einem Gebrauch mit selbstgesetzten Regeln orientiert. Solche Regeln sollen einen Lebensstil ermöglichen, der niemanden schädigt, sondern Selbständigkeit, Selbstachtung und Lebensfreude ermöglicht.